Holga

Stadtansichten mit Plastik-Kamera

Durch die Drehung der Kamera um 180 Grad und dem damit verbundenen visuellen Kopfstand ist innerhalb der Diagonalen des Bildes eine Veränderung und ein markanter Verlust des Raumes erkennbar. Die Stadt in ihrer Vielheit wird durch einen Verlust der Mitte reduziert und zusätzlich wiederum komplettiert. Es scheint, dass sich aus dem Nichts schwarze Schatten in das Bild schieben und diagonal über die Aufnahme laufen. Ihre lang gezogene Form erinnert an die Grundrisse der abgelichteten Gebäude. Wir sehen die Grossstadt aus verschiedenen Perspektiven. Durch die grundrissartigen Schattengebilde wird ihr eine zusätzliche beigefügt. Die Verdoppelung von Zeit verleiht den Bildern Lebendigkeit, die zeitgleiche Reduktion auf eine chiffrenartige Ansicht eine fiktive Räumlichkeit.

Indem die „gewohnte“ Sicht von und auf die Stadt zusätzlich verdreht und auf ihre Horizontalität reduziert wird und dadurch mehrere Zeiteinheiten im Bild ausgemacht werden können, wird auch das Erinnern gleichsam auf den Kopf gestellt. Die Stadt entsteht somit neu durch die Aktivierung von Erinnerung und von Phantasie. Vielleicht liesse sich darin auch die Vereinigung der Antipoden Abstraktion und Sinnlichkeit sehen.